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© Manfred Voß

Oder auch, mein Leben in einer Notunterkunft

hier gibt es viel zu erzählen......aber fangen wir von vorne an....

         Wir haben als Kinder dort gewohnt, wo unsere Eltern sich niedergelassen haben. Logisch ???

Natürlich logisch ...ich wollte auch nur damit sagen, dass wir als Kinder keine Wahl hatten und immer in einer Notunterkunft gewohnt haben. Was aus heutiger Sicht eine verdammt tolle Zeit war die ich nicht missen möchte. Hier war noch Zusammenhalt gegeben.

Angefangen hat es (soweit ich noch Erinnerung habe) auf dem Giebel in Sonnborn 1958 ? oder so...  

hier standen ein paar Baracken und 2 hohe Häuser am Anfang, wo der eine oder andere gerne eingezogen wäre, weil man hier zwei Zimmer plus Toilette gehabt hätte. Wir wohnten natürlich in den Baracken. Die hatten auch zwei kleine Zimmer aber eine Gemeinschafts-Toilette und die war draußen. Damals gab es die Autobahn noch nicht und so gingen wir auch oft über die Straße (alte B326 - heute A46) bis zur Spielwiese wo heute die Bayersiedlung steht. Die damals noch sehr aktive Müllkippe in der Nähe vom Giebel, war natürlich auch eine Spielwiese :-) Man,...was haben wir damals tolle Sachen gefunden. Ihr müsst wissen, das wir kein Geld hatten und es war auch noch eine Zeit der Armut. Oder es lag auch daran, das mein Vater nicht der fleißigste war? Keine Ahnung, ich war damals ca. 3-4 Jahre alt und mich kümmerte es nicht.  Von dort aus sind wir zur Bresslauerstraße gezogen......

auch wieder eine Notunterkunft. Mutter erwartete Nachwuchs aber die Zimmer wurden nicht größer...so kam es auch, das wir teilweise im Kinderheim untergebracht wurden. Das Kinderheim in der Gräfratherstraße in Vohwinkel war absolut spitze. Wir kannten ja bis dato nichts anderes als Armut und kaum was zum Anziehen und essen. Hier war auch meine Einschulung ..also in der Liegnitzerstr. Wir waren mittlerweile 6 Kinder und ach ja ...ich war der Älteste ;-)  und es wurde wieder eine Notunterkunft und diesmal war es der

 Klingholzberg in Oberbarmen.  

Wie wir 1963 dort hinzogen, standen noch die alten Baracken da. Die Baracken waren die ehemaligen Pferdeställe und hatten nur 1 Zimmer. Die meisten haben dieses Zimmer durch einen Vorhang geteilt so das es Optisch dann zwei waren. Im hinteren Teil war dann das Bett zum schlafen.

Aufgrund der enge in den Zimmern, standen viele Möbel draußen

Und viel Platz zum spielen war hier auch nicht

Der Berühmt-Berüchtigte Puppenwagen-Klauer in seiner Aktion

Die Möbel und Wäsche draußen, war auch nicht immer einfach

Und 1963 war ein aufregendes Jahr. Konrad Adenauer war noch Bundeskanzler bevor der "dicke mit der Zigarre" Ludwig Erhard im Oktober ihn ablöste. Der Mann des WirtschaftswundersUnd nur einen Monat später (November 63) wurde John F. Kennedy ermordet.

 

Ich habe hier mal ein Zitat aus "Leben in Wuppertal"

Die Bautätigkeit wurde erst in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts durch die Familie Klingholz eingeleitet. Die
Familie errichtete auf ihrem Gelände am Rande von Barmen in
den 1880er Jahren erste Barackenunterkünfte für italienische
Arbeiter, die beim Bau der Rheinischen Strecke tätig waren, und
für Obdachlose. Die Unterkünfte mussten wenig später erweitert
werden. Bis die Nationalsozialisten die inzwischen ausgebaute
Siedlung aufgrund einer vermuteten Konzentration von politischen
Gegnern räumen ließen, diente die Siedlung u. a. als Lager für
Kriegsgefangene und Auffangort für geflohene Ostpreußen des
ersten Weltkriegs sowie für Obdachlose im Zuge der
Weltwirtschaftskrise. Nach 1945 wurden zweigeschossige so
genannte Schlichtbauten (Hildburgstraße) für ausgebombte Großfamilien und
Flüchtlinge errichtet und bildeten bald ein Siedlungsgefüge. Im
Jahr 1953 führte die Verwaltung der Stadt Wuppertal Straßennamen
ein. In den nächsten Jahren war der Klingholzberg weiterhin
Anlaufpunkt für ausländische Arbeitnehmer und sozial schwache
Bürger. So wurde 1959 der Grundstein für den Anne-Frank-Hof,
ein Wohnkomplex für 20 kinderreiche Familien, gelegt.

 Aufgrund dieser Historie verbinden viele Wuppertaler
den Begriff Klingholzberg und Hilgershöhe mit sozialen
Wohnungsbau und Obdachlosenunterkünften.
Das Stadtgebiet Oberbarmen - Wichlinghausen wird im Bewusstsein
der Wuppertaler Bevölkerung mit einem sehr schlechten
Image verbunden, wobei insbesondere die Gebiete Schwarzbach
und Hilgershöhe (Klingholzberg) zu diesen negativen Assoziationen
beigetragen haben.

Tja und soll ich euch mal was sagen? Das war mir als Kind völlig egal. Selbst heute als Erwachsener Mann sage ich noch immer....das war eine verdammt tolle Zeit. Und Asozial ist der, der über solche Menschen schlechtes denkt und spricht. Meine Meinung...die meisten können am wenigsten dafür... und ganz besonders nicht wir Kinder.

Und vielleicht interessiert euch auch das hier http://wilhelm_klingholz.beepworld.de/  Herr Klingholz, der auch einen netten Eintrag in meinem Gästebuch hinterlassen hatte, erforscht seine Ahnen. Und ich bin mir sicher, dass einer seiner Ahnen, den Klingholzberg gehörte.  

Hier auch noch ein Artikel bzw. drei Bilder die ihr euch mal durchlesen solltet.

Getto des Elends   Teil1   Teil2   Teil3

Doch zurück zum K-Berg

Irgendwann in den 60.er Jahren wurden die Baracken (Pferdeställe) abgerissen und ich war life dabei. Obwohl es uns verboten wurde, musste wir einfach zusehen wie die Zimmer wo unsere Verwandten teilweise wohnten, einfach kaputt gemacht wurden. Es war aber auch aufregend zuzusehen wie der Bagger das machte. Wir kannten doch keinen Bagger...woher auch? Fernsehgerät gab es auf dem K-.Berg noch nicht und selbst wenn dann hätten wir keinen gehabt.

Wir Kinder hatten in den rum liegenden Trümmern gespielt. Ich hatte mir den Arm gebrochen weil ich von einem dieser Dächer gesprungen bin. War ja nicht hoch, so ca. 2 Meter. Aber man das war super, hatte ja jetzt Gips und konnte meine Freunde dabei zusehen wie die gesprungen sind. Es dauerte so ca. 2 Jahre bis die Stadt endlich auf dem nun freien Platz einen Spielplatz gebaut hat. Zuerst den unteren Teil Sportplatz dann oben dieses Holzgerüst was ein Schiff darstellen sollte und Brücke und so weiter. Anfangs war es noch toll, aber die Unfälle der Kinder häuften sich hier. Mein damaliger Freund hatte sich hier auch den Arm gebrochen, sah nicht so toll aus.

Doch der K-Berg bestand ja nicht nur aus den Baracken (Pferdeställe) sondern auch aus mehreren Reihenhäusern ? Wie soll ich das nennen? Also...es war so...

Wir hatten unterhalb des K-Bergs die Kindergartenstraße (gehörte aber dazu) und dann kamen mehrere Reihen mit je 10 Wohneinheiten pro Haus.    Bild: Kindergartenstraße.  Das Haus rechts steht heute noch.

1959

Bild: Oberhalb der Pferdestelle Richtung Kindergartenstraße mit den mehreren Reihen links.

Und 1959

 

    Pferdestelle: im Hintergrund ist unsere Reihe 5 wo ich gewohnt hatte. Vergrößerung nächstes Bild.

 

1959 von der Pferdeställe aus gesehen, die Hildburgstraße.

Die Pferdestelle von der Reihe 7 aus gesehen mit ihren 2 Toiletten-Dusch-Häuschen

Von der Kindergartenstraße (mitte) aus gesehen

gleicher Standpunkt nach rechts.

Bild: untere Reihe 5 (unsere Reihe hinterm Haus) im Hintergrund noch die Pferdestelle zu sehen.

Bild: unsere Reihe 5 aus Nord-Ost                                                                                     rechts Reihe 6

             Reihe 5 Süd-West. Im Hintergrund der Bau des Anne-Frank-Hof  und der Hilgershöhe                 

Hier war noch kein Bauvorhaben (Hilgershöhe) geplant. 1959

 In der Kindergartenstraße und Hildburgstraße standen höhere Häuser (2 Etagen) mit mehr  Wohneinheiten.         

 

 

Hildburgstraße

Hildburgstraße oben hinterm Haus

und 1959> hinten wo die Bäume zu sehen sind, stehen jetzt die Häuser der Heinrich-Böll-Str. und gegenüber dieser Bäume ist etwa die Höhe der Sonntagsschule. (unteres Bild)

Hildburgstraße oben. Hinten rechts noch der Laden vom Buntenbeck zu sehen, und geradeaus sieht man noch die Stehbierhalle vom Max Pottkamp ;-)

     Hier habe ich mal ein Foto vom K-Berg wo keine Häuser mehr stehen, aber ich nach meinen Vorstellungen die Häuser rein gemacht habe

Das Große rote Kreuz waren die Pferdestelle das kleine wo wir gewohnt hatten. Wie gesagt, pro Haus 10 Wohneinheiten bzw. pro Reihe 20 das ging nach Buchstaben... von A - T  wir waren Reihe5 G . Eine Reihe waren zwei Häuser die durch einen Weg geteilt waren.  Wenn ich das mal alles Grob schätzen darf, dann waren wir eine Familie von ca. 400 Erwachsenen plus Kinder. Groß ne? ;-)

Und da habe ich doch noch ein Foto gefunden von 1945 wo der K-Berg zu sehen ist.

Und einen Stadtplan von 1934-36

Es war einfach Toll auf dem Klingholzberg. 1963 ich war noch keine 8 Jahre alt, sind wir dort hingezogen und ich habe mich erstmals so richtig wohl gefühlt. Wir hatten nun zwei Zimmer und den "Oller" also Speicher. Ich selber hatte mir den Keller wohnlich gemacht, denn auf dem Oller war es voll. Beate, Silvia Dieter und Dirk und das war voll... aber egal, so hatte ich mein eigenes Reich. Und eigentlich hatten wir auch zu essen... eigentlich. Das heißt, wenn wir kein Geld hatten, was sehr oft war, dann musste einer der Kinder mit einem Zettel zum Buntenbeck und pumpen fragen. (meistens ich ) Damals ging das noch, auch Zigaretten. Freitags war Lohntütenball und dann wurde auch immer alles beglichen, aber nun hatten wir wieder kein Geld ;-)     Also alles wieder von vorne.

Die Winter auf dem K.-Berg waren hart. Besonders auf dem Oller ( Speicher) weil man da auch nicht heizen konnte. Wir hatten nur einen Kohleofen und der stand im Wohnzimmer und selbst dafür hatten wir kaum Kohle. Und wenn es dann Weihnachten wurde, mussten wir raus um Fotos zu machen von unseren neuen Sachen die wir bekommen hatten.

      30.12.1969

Das war mal was anderes, als die alten Sachen vergangener Jahre, da hat es sich gelohnt ein Foto zu machen. Und wie man hier schön im Hintergrund sieht, selbst im Winter hängt die Wäsche draußen, denn Pflege wurde hier groß geschrieben, und viele besaßen nicht viel mehr als gute Wäsche.

       Bild 12/1967

Hier hat Dirk wohl einen neuen Anorak bekommen?. Sieht aber so aus, als würde er noch an den Beinen frieren :-))))  Wie gesagt, die Winter auf dem K-Berg waren hart. Der Oller (Speicher) wo alle geschlafen haben, hatte keine Dämmung. Das blanke Dach war zu sehen. Und bei mir im Keller war es nicht anders. Die eine oder andere Maus war erfroren. 

Ich hielt meinen Körper mit Tanzen warm. Bin hier und da am WE tanzen gewesen mit den bis dahin schönsten Frauen.

Bild 1971

 

                                          27.07.1967

Im Sommer hatte man es sich auf der gegenüberliegenden Wiese gemütlich gemacht. Hier sind meine Geschwister Von hinten links.. Silvia, Beate (Mutter Mitte) Dirk und Diana

Und was waren wir im Sommer immer lange draußen...boh.... Die Erwachsenen saßen im Sommer immer vor der Türe. Man hatte sich Stuhl und Tisch rausgestellt und Nachbarn kamen vorbei und es wurde gegessen getrunken gequatscht hihi und wir waren die Nutznießer als Kinder. So konnten wir auch länger draußen bleiben.

Für Kinder war es einfach super hier zu sein, und vor allem "Sicher" !! Besonders nach der Bekanntgabe der Kinder-Morde von Jürgen Bartsch 1965 und 1966. Und wer erinnert sich noch an den Fall: Ilona Harke? Das Mädchen wurde ermordet.

Wir Kinder sind Natürlich auch außerhalb des K-Berg gewesen. Wie Oft sind wir im Langerfelder Wald gewesen und haben uns mal so richtig ausgetobt an den 3 Teichen. Auch fanden hier die ersten Knutsch-Versuche mit den Mädchen statt, denn auf dem K-Berg durften wir das nicht. Wir waren ja erst 10-12 Jahre alt. Ansonsten waren wir Kinder auch nicht gut angesehen wenn wir nach Oberbarmen gegangen sind. Viele kannten uns ja schon und machten einen Bogen um uns. Manchmal wurde auch hinter uns hergerufen. Das Beste war aber, wenn wir nicht alleine unterwegs waren. Dann traute sich das keiner. Mit der Zeit war es dann aber so, dass man gefallen daran bekam nicht alleine zu gehen. Das Selbstbewusstsein eines Kindes stieg hier enorm und im laufe der Jahre wuchs es auch gewaltig. Wir hatten uns wohl mit den Gegebenheiten angefreundet?!      

Was wir auch noch konnten war, richtig zu spielen mit Puppen bei den Mädchen und Autos bei den Jungen. Wir hatten noch eine richtige Kindheit und nicht so wie die Kinder von heute. Stellt euch nur mal ein Leben ohne Handy vor! Das gab es überhaupt noch nicht. Wir hatten nicht mal ein normales Telefon. Wenn mal was passierte, dann lief einer zum Verwaltungshaus um zu Telefonieren. Und wenn der mal nicht da war, dann lief man eben bis zum Münztelefon. So war das damals. Um die Gegend zu erkunden, gingen wir einfach raus. Denn GoogleMaps gab es nicht. Es gab überhaupt noch kein Internet. Klingt jetzt vielleicht hart, aber war richtig toll. Wir sind also nicht zu Hause versauert, wir haben unsere Kindheit gelebt.

Wir waren Arm aber Glücklich... und für 10 Pfennig haben wir uns beim Pottkamp noch 10 Bonbons gekauft. Da wo der Pottkamp war (Kiosk) ging dann später der Kumpmann mit seiner Pommesbude rein. Und wer erinnert sich noch an unserem Eismann? Richtig, das war der Pillgramm. Hier haben wir noch für 10 Pfennig ein Eis bekommen.

              Bild links und rechtsJuni 1964

Hier seht ihr meinen Bruder mit Löchern in der Strumpfhose links... diese Sachen hatte ich 1 Jahr zuvor getragen. Das war aber normal, das Sachen weiter getragen wurden. Selbst die vom Nachbarn wenn die selber nicht mehr passten. Warum auch nicht, die Zeiten waren hart.

In den Sommermonaten ging es zur Mählersbeck für DM 1,50 (Freibad) und es war auch noch möglich, wie hier auf dem Bild zu erkennen...

                                                                          23.06.1964                                                                                        eine nackte Fott zu zeigen. Wie hier mein Bruder Dirk. Links Silvia rechts Dieter.           

                                                                          23.06.1964                                                                                                                                                            Meine Anfänge im großen Becken. Hier habe ich schwimmen gelernt.

 

27.07.1967  

                                                          Dirk und Manfred

Damals stand hier noch dieses Reck und über dem Wasserbecken waren noch diese alten Lampen. Man kann sagen das fast der gesamte K-Berg im Sommer hier war.

Es war aber auch deshalb so toll auf dem K-Berg, das alle die hier gewohnt hatten, eine Riesen große Familie war. Nicht Verwandtschaftlich gemeint... Hier konnte ich gehen wohin ich wollte, ich war überall zu Hause. Man hatte hier noch Brot und Butter geteilt, auch wenn sonst was fehlte hieß es... geh mal zu Tante...und frag.

Meine Grundschule in der Bornscheuerstraße ging hier noch 2 Jahre weiter. Der Klingholzberg war damals verrufen und so blöde das auch klingt... die Kinder vom Klingholzberg wurden fast alle auf einer Sonderschule verwiesen. Eine schlimme Zeit was das betraf. Man wollte sich nicht mit "asozialen" Kindern abgeben. Die sind Arm und die sind auch blöde!? Trotz bestandener Tests wurden wir abgeschoben. Wieder waren wir allein auf uns gestellt. Tja so war es leider damals auf dem K-Berg.

Es gab aber auch Zeiten, (Momente) die ich gerne vergessen würde. In so einer großen Familie gab es natürlich auch Reibereien. Es war nicht immer alles Friede, Freude Eierkuchen. Viele Besucher die auf dem K-Berg wollten, trauten sich ( manchmal zu Recht nicht ), den K-Berg zu betreten. Es gab Gewalttätige Auseinandersetzungen. Insbesondere für Fremde. Was ich sehr bedauerlich fand. Denn gerade wir Kinder freuten uns immer auf Besucher, die bringen meistens was mit. Wir Kinder waren mal wieder die Elendstropfen eines großen Vermoderten Teiches. Nix im Magen und unser essen wurde auch noch verkloppt. Jeder war sich selbst der nächste was den Hunger betraf.  Es war nicht selten, dass ich  schimmeliges Brot gegessen habe. Und wenn man das Brot sauber abgewaschen hat, schmeckte es gar nicht mal so schlecht. Man sollte auch Niemals die Wichtigkeit von Essensresten unterschätzen. ;-)

Getrunken wurde natürlich auch auf dem K-Berg und das gar nicht mal so wenig. Einen Grund für Irgendwelche Feierlichkeiten gab es ja fast jedes Wochenende. War ja auch Lohntütenball :-)  Oh man, wie oft war auch am WE die Polizei auf dem K-Berg? Nur irgendwann im Laufe der Zeit trauten die sich auch nicht mehr den K-Berg zu betreten. Selbst die, wurden auch schon vermöbelt wenn die nur mit 2 Mann da waren. Bei einem größeren Einsatz der Polizei hat dann niemand etwas beobachtet ?! Ich bin nicht Stolz darauf dieses hier zu schreiben, aber so war es nun mal. Man ist eine Familie und die hält zusammen.

Im Großen und Ganzen muss man sagen, dass wir eigentlich nur Leben wollten wie die anderen außerhalb des K-Berg. Wir Kinder wollten nur Satt und nicht durstig sein, was aber leider nicht immer möglich war.

Zum Herbst hin kam immer ein Bauer auf dem K-Berg und holte sich ein paar Kinder zum Kartoffel-Lesen. Und das war wieder ein Moment wo wir essen hatten (auch arbeit) und wir bekamen auch noch Geld!! Am Ende des Tages hieß es dann, 5 Mark für jeden der dabei war. Das Geld haben wir (ich)  natürlich der Mutter gegeben. Die brauchte es dringender, ich hatte ja schon gegessen.

Ich wurde so langsam Erwachsen und musste Geld verdienen, meine Geschwister waren noch nicht so richtig satt. Aber finde mal eine Arbeit wenn du vom K-Berg kommst. Meine Schule war vor den Großen Ferien zu Ende und ich war auch nur 1 Woche zu Hause bis eine gute Freundin (Carmen) kam und sagte, wenn du willst ich hätte da Arbeit für dich. Da wo ich arbeite...

So ging ich normal arbeiten, ohne Lehre, denn meine Mutter (mittlerweile geschieden) brauchte das Geld. Ich bekam damals noch meinen Lohn in der Wöchentlichen Tüte. Jeden Freitag. Von den 80 Mark die immer        drinnen waren, durfte ich 20 Mark behalten, mein erstes Geld. War das geil.... Ich arbeitete in W.- Langerfeld (5 Jahre) bei Carl Wilhelm Cleff.  Ich hatte damals einen Stundenlohn von 2.80 DM  ( €1.40 ) klingt wenig aber zum damaligen Zeitpunkt war es viel Geld.

Das Ende der Notunterkunft Klingholzberg

Nun kommt ein trauriger Absatz dieses Kapitels.  Ich glaube, wenn damals nicht die große Explosion auf dem Klingholzberg gewesen wäre (07.12.1970 es gab leider auch Tote) wären viele länger geblieben. Die Armut trieb einen Familienvater (in unserer Reihe) dazu, die vorhandene Gasuhr im Keller mit einem Fahrradschlauch zu überbrücken. An dieser Wohnung in unserer Reihe musste ich jeden morgen im Laufschritt vorbei, weil ich Grundsätzlich jeden morgen verschlafe habe, (Explosionsort siehe Foto oben vom K-Berg) und wie ich gerade um die Ecke rechts gelaufen bin, an der unteren Reihe (Kindergartenstraße) vorbei, färbte sich der Himmel aber ich hörte nichts!! Nach einer kurzen Verwunderung lief ich weiter um meinen Bus nicht zu verpassen. Wie ich wieder von der Arbeit nach Hause kam, fehlte in unserem Nachbarhaus das Mittelstück. Oh man....Sch.... es sah aus als wäre der Krieg ausgebrochen, alles zerstört... Polizei, Krankenwagen, Feuerwehr und Kamerateams waren alle vertreten. Wie ich später erfahren habe, hatte die Tochter des Familienvaters (Hoch Schwanger und verstorben) das Licht einschalten wollen und dann war's passiert. 10 Sekunden früher (war ja im Laufschritt) und mich hätte es erwischt.

 Diese Bilder habe ich mit freundlicher Unterstützung von Hartmut bekommen. Vielen dank dafür.

Für die Öffentlichkeit, insbesondere die Stadt Wuppertal war dies ein Anlass den K-Berg platt zu machen. Vielleicht auch zurecht?? Ich weiß es nicht, wie gesagt, wir waren Kinder!!

Ich habe als Teenager geweint als es hieß, wir ziehen weg vom Klingholzberg. Aber meine Freunde sind doch alle noch hier und meine Verwandten teilweise auch, warum? Ich verstand es nicht, doch es wurde mir später klar. Es war in aller Munde, dass der Klingholzberg abgerissen werden sollte bzw. das Grundstück verkauft wurde. Und angeblich hatte die Post das Grundstück gekauft und wolle es selber nutzen. Dieses Gerücht wurde von Seiten der Stadt Wuppertal absichtlich gesetzt, um schon mal einige Bewohner zu verunsichern, damit sie sich vom Acker machen. Denn rund 40 Jahre ist mit diesem Grundstück nichts passiert.

Der Klingholzberg wurde abgerissen. Ich glaube es war 1974 - 75 ? und die meisten zogen dann zur Hilgershöhe aber viele haben auch den Absprung aus der Notunterkunft geschafft und sind einfach nur weggezogen. So wie wir... Aber der Klingholzberg bleibt in meinen Erinnerungen als eine gute und schöne Kinderzeit, (10 Jahre) die ich dort erleben durfte und auch nicht missen möchte.

 

2015 wurde auch ein kleines Büchlein über den K,-Berg gemacht.

An dieser Stelle meinen Dank an Christiane Gibiec, Sabine Münch und allen beteiligten.

Auch habe ich von Prof.F.Seibel private Unterlagen bekommen, (vielen Dank dafür) die sehr Interessant sind. Klickt auf den Link

und wer erkennt sich noch auf diesen Fotos wieder??

Und die Jungs vom Klingholzberg Anfang der 60er

Namen, die in Erinnerung blieben...

Bayer,-Bäcker,-Berkenbusch,-Bongartz,-Borgschulte,-Braukmann,-Breuer,-Busby,-Butz,-Bourley,-Bürger,--Büser - Helsberg,-Clausdorff,-Diekmann,-Diels,-Dietz,-Ernenputsch,-Eschweiler,-

Erbe,-Eska,-Flehinghaus.-Frömken,-Funke,-Gerds,-Gerhards,-Glages,-Greitemann,-Gottschalk,-Harke,-Hartwig,-Hartmann,-Hofmann,-Hoffe,-Hülsberg,-Jahnke,-Jasper,-Japelie,-Junker,-

Kielhorn,-Kirchner,-Kissler,-Koch,-Kohler,-Kohlhage,-Küster,-Krah,-Landmesser,-Lange,-Lauer,-Lorenz,-Loose,-Lossau,-Lutz,-Malinowski,-Mareien,-Martini,-Mertins,-Müller,-Münch,-Nachtsheim,-Nolte,-

Oberdraing,-Ohl,-Pottgiesser,-Puschinsky,-Rautzenberg,-Rüb,-Samus,-Schäfer,-Schmale,-Schmitz,-Schwaiger,-Schoth,-Schulte,-Schüler,-Solbach,-Sydows,-Tuett,-Tretschok,-Übergönner,-Uckermann,-Voß,-

Waldschmidt,-Walter,-Walterscheid,-Weber,-Weifenbach,-Weinberger.-Wessel,-Wichelhaus,-Wilmes.-Wohlgemut,-Wonesch,-Wupperfeld

Fehlt noch ein Name ? Dann danke ich für eine Info

Wer auf dem Apachen-Hügel gewohnt hat, ist ein Wupperindianer <<  klick

Ein kleines Video

Winterliche Erinnerungen auf dem Klingholzberg

Noch mehr Bilder   ( Westerwald und Stadtmission )

hier eine kleine Broschüre Vergessene Orte in Wuppertal

 

 

Wir zogen nach Wuppertal-Vohwinkel. 1973

Diesmal aber keine Notunterkunft. Hier war alles anders. Keine Familie.. keine Tante die mal eben was borgen konnte... eben anders wenn ihr versteht was ich meine? Alles war Fremd. Und Nachbarn!?..ob die überhaupt wussten, dass wir da waren? Man versuchte zwar etwas gleiches aufzubauen wie auf dem K-Berg aber mit verdutzten Blicken kam auch ich nicht zurecht.  Ich war ja nun auch Erwachsen...zarte 18 Jahre alt ;-)  man wo ist die Zeit geblieben?

Ich habe hier den Führerschein gemacht am 12.12.73 den ich auch dringend brauchte, denn ich war noch immer in Langerfeld am arbeiten. Mit dem Zug und Bus war ich immer 1 Stunde unterwegs.

Meine Bundeswehrzeit habe ich auch von hier gestartet. Ich war zuerst in Ahlen/Westf. und später dann in Bremen Schwanewede. War eine Lehrreiche Zeit. (vom 02.01.1975 - 31.03.1976 )

1984 hat es mich aber dann völlig nach Vohwinkel zerschlagen. Ich habe hier einige Lehrgänge (Kaufmann) gemacht, und wir haben uns hier ein kleines Häuschen gekauft und fühlen uns Pudelwohl.

Im großen und ganzen habe ich fast alles erzählt...aber vielleicht fällt mir noch was ein? Sollte jemand fragen haben, dann fragt ruhig. Und wenn ihr noch Bilder habt vom K-Berg und ich diese Veröffentlichen darf, würde ich mich freuen von euch zu hören.

Anmerkung:  Ich stelle hier nicht meine Familie vor, sondern nur Augenblicke  die in einer Notunterkunft teilweise Bildlich festgehalten wurde. Auch möchte ich nichts Verschönigen was eine Notunterkunft betrifft. Ich kann mir heute vorstellen, dass es als Erwachsener bestimmt nicht einfach war, viele Kinder und kein Geld zu haben. Aus diesem Grunde geht meine vollste Hochachtung und meinen größten Respekt, an meine Mutter.